Das Problemschach hatte über Jahrzehnte einen festen Sitz in Hamm und zwar in Person des im Jahre 2001
verstorbenen Schachfreundes Werner Speckmann. Als langjähriger Vorsitzender und Ehrenvorsitzender der
Schwalbe - der deutschen Vereinigung für Problemschach - war er für alle deutschen Problemschachfreunde
eine feste Größe und Hamm eine bekannte Adresse.
Hieran anknüpfend möchten wir ihm eine Seite unserer Homepage widmen und nach und nach Auszüge aus
seinem Lebenswerk veröffentlichen. Für die Genehmigung zur Veröffentlichung danken
wir seinem Sohn Lothar Speckmann.
Bücher und Schachaufgaben:
Zu den uns zur Zeit zur Verfügung stehenden Arbeiten Werner Speckmanns gehören:
Dr. Werner Speckmann erblickte am 21. August 1913 in Dortmund das Licht dieser Welt. Er studierte die Rechtswissenschaften
zwischen 1933 und 1936 an den Universitäten in Bonn und Münster/Westfalen. Im Jahre 1937 promovierte er an der Westfälischen
Wilhelms-Universität zu Münster unter dem Dekanat von Prof. Dr. Max Kaser mit dem Thema "Das Ermessen der Verwaltungsbehörden
und seine Kontrolle durch die höchsten Verwaltungsgerichte". Nach seiner Referendarzeit war er ab 1939 als Gerichtsassessor in
Zivilsachen tätig und wechselte 1942 als Beamter in das Reichspatentamt (Abteilung "Warenzeichen"). Nach dem Krieg und seiner
Entlassung aus russischer Kriegsgefangenschaft im Jahre 1945 wurde er ab 1946 wieder im Justizdienst beschäftigt, zunächst als
beauftragter Richter beim Amtsgericht in Hamm und ab 1949 beim Oberlandesgericht in Hamm. 1950 wurde er Landgerichtsrat beim
Landgericht Dortmund. Nach einer zwischenzeitlichen Verwendung beim Deutschen Patentamt in München (1951 bis 1953) kehrte er 1953
zum Oberlandesgericht in Hamm zurück und wurde zum Oberlandesgerichtsrat ernannt. Bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1976 befasste
er sich insbesondere mit Fragen des Familien- und Erbrechts; daneben war er bis 1968 Mitglied des Justizprüfungsamtes beim Oberlandesgericht
Hamm. Er verfasste von 1952 bis 1954 zwei und von 1968 bis 1974 weitere 32 juristische und rechtspolitische Abhandlungen.
Er erlernte das Schachspiel im Alter von 12 Jahren und kam 1929 über die Wiener Zeitschrift Das Rätsel
und deren Redakteur Hans Schaffer zum Kunstschach. Speckmanns erstes Schachproblem erschien kurz vor seinem 16. Geburtstag
am 13. August 1929. Seither ließ ihn - mit einigen, namentlich durch Studium und den Krieg bedingten längeren Unterbrechungen
- das Interesse an der Problemkomposition nicht los, wobei seine Vorliebe der Darstellung logischer Kombinationen und Aufgaben
mit wenigen Steinen galt.
Seit 1959 war er "Internationaler Schiedsrichter", seit 1967 auf Grund der Anzahl seiner in die FIDE-Alben aufgenommenen Probleme
und Studien (erforderlich waren 20 Punkte, insgesamt erzielte er 58,17 Punkte) auch "Internationaler Meister" der F.I.D.E.
(Fédération Internationale des Échecs) für Kompositionsschach. Er war von 1953 bis 1962 Schriftleiter und dann von 1959 bis 1982
1. Vorsitzender (danach Ehrenvorsitzender) der "Schwalbe, Deutsche Vereinigung für Problemschach". Er erreichte auf Initiative von
Gerhard Wolfgang Jensch 1972 die Aufnahme der Schwalbe in den Deutschen Schachbund.
Werner Speckmann war von 1953 bis 1962 Schriftleiter und von 1969 bis zu seinem Rücktritt 1982 der 1. Vorsitzende,
danach Ehrenvorsitzender der Schwalbe (1924 gegründete deutsche Vereinigung für Problemschach). Speckmann forderte vor allem
in den 1960er Jahren Lösungsturniere von der FIDE. Er erreichte auf Initiative von Gerhard Wolfgang Jensch 1972 die Aufnahme
der Schwalbe in den Deutschen Schachbund. Dieser verlieh - vertreten durch DSB-Präsident Egon Ditt - Speckmann 1993 bei seinem 80.
Geburtstag die "Goldene Ehrennadel". Auch von der Schwalbe wurde er 1995 mit einer "Goldenen Ehrennadel" ausgezeichnet.
Von 1963 bis 1988 redigierte Speckmann den Kompositionsteil der Deutschen Schachzeitung und führte dies nach der Vereinigung
des Blattes mit SchachReport dort bis 1991 fort. Dabei half Speckmann stets, die Schachkomposition zu verbreiten. So antwortete
er auf eingehende Fragen und unterstützte neue Komponisten, etwa Bernd Schwarzkopf. Von 1961 bis 1982 schrieb Speckmann für
die Deutsche Schachzeitung mehrere Abhandlungen über Schachkomposition. Er gab auch mehrere Bücher heraus. Dabei schrieb er vor
allem über die "neudeutsche Schule", die er auch in Russland populär machte. Darüber hinaus übersetzte Speckmann Bücher
aus der russischen Sprache, darunter Genrich Gasparjans Zauber des Endspiels. Er veröffentlichte 1999 auch das erste deutsche
Internet-Schachkompositionsbuch (Speckmann, Ausgewählte Schachaufgaben). In seinen letzten Lebensjahren überarbeitete Speckmann
frühere eigene Werke.
Speckmann verfasste mehrere tausend Schachkompositionen, darunter 1718 Miniaturen (also Stücke mit maximal sieben Steinen). Vor allem die
in diesem Zusammenhang rege Publikationstätigkeit machte ihn über Landesgrenzen hinaus bekannt. Er erfand einige Märchenschachfiguren,
unter anderem den Superbauer.