Schachvereinigung Hamm
SV Hamm 1911 / SV Werries 1927









Listinus Toplisten


Unsere Sponsoren:




Retrospektive

Die 1. Schachgeneration oder die Mohnke-Aera



Über die ersten Jahre des Schachvereins Hamm 1911 kann nicht viel geschrieben werden, da die Unterlagen im 2. Weltkrieg durch Bomben vernichtet worden sind. Um soviel wie möglich über unseren Verein zusammen zu tragen, besuchten die Schachfreunde Heinrich Hessling und Hermann Breukelmann den in Bad Oeynhausen lebenden Gründer Justizverwaltungsrat i.R. Wilhelm Mohnke am 28. November 1956 entsprechend dem Wunsche vieler Mitglieder.

Im September 1911 gründete der damalige Rechnungsrevisor W. Mohnke im Gasthof Hallermann mit etwa 12 Mitgliedern unsern Verein. Es wurde A. Diehl zum Vorsitzenden, W. Mohnke zum Schriftführer und W. Hallermann zum Kassierer gewählt. Die Mitgliederzahl erhöhte sich bald. Soweit noch bekannt, waren darunter Zahnarzt Dr. Winter, Apotheker Kayser, Referendare Schrader und Risse, Prof. Warner, Dr. Dette, Studienrat Dr. Schöbl und die Gymnasiasten Fritz Gräve sowie H. Hülshoff. Die Schachabende waren stets gut besucht. Mit verschiedenen Vereinen, u.a. Recklinghausen, wurden Fernpartien gespielt. Aus dem Vereinsturnier 1912 ging Schrader als Sieger hervor, 1913 war es W. Mohnke. Nachdem der Verein dem Deutschen Schachbund beigetreten war, hat der Gründer und Ehrenpräsident unseres Vereins, W. Mohnke, später auch verschiedene größere Turniere in Bad Oeynhausen, Frankfurt und München geleitet.

Im ersten Weltkrieg ließ die Schachtätigkeit nach, weil viele Mitglieder Kriegsdienst leisten mußten. Schrader und Gräve sind gefallen. Nach dem Kriege nahm der Verein einen unerwarteten Aufschwung, das Vereinslokal mußte häufig gewechselt werden. In fast allen Nachbarorten von Hamm entstanden “Vereine des könglichen Spiels, mit denen wir einen regen Spielverkehr unterhielten. Im Jahre 1923 wurde der Westfälische Schachbund wieder gegründet. Hamm mit Umgebung wurde Sitz eines Schachbe­zirks des Bundes. Einen Wettkampf gegen Dortmund mit 100 Spielern gewann der Schachhezirk Hamm, ebenso gegen Münster und Soest. Vorsitzende bis zum 2. Weltkrieg waren A. Diehl, W. Mohnke, Dr. Winter, Reininghaus, Brocher sen., Muth, Lösch, Schürmann und Schuerhoff, Schachlokale in Hamm waren Hallermann, Westfälischer Hof, Hotel Continental, Kolpinghaus, Lutherhaus, Ackermann, Reuter (Südstraße), Bahnhofgaststätten, Wesemeier (Alleestraße), Kaffee Schulte (Weststraße) und Karlheim.

Nach der Gründung des Westfälischen Schachbundes fanden viele Schachveranstaltungen, Simultan- und Blindspiele der Schachmeister Mieses, Leonhard, Nimzowitsch, Samisch, Brinkmann, Bogoljubow u.a. statt. Starke Spieler stießen zu unserem Verein und wurden Mitglieder, u.a. Kuppe, der später Deutscher Meister wurde und Georg Esser, Kreismeister des Hammer Bezirks.

Eine Partie aus dieser Zeit zwischen den Schachfreunden Mohnke und Schuerhoff aus dem Jahre 1926, gespielt in Hamm, ist bis heute erhalten geblieben und findet sich in dem Lehrbuch von Müller „Angriff und Verteidigung“ als auch in der Chessbase Datenbank. Es ist eine kurze Partie zum Thema Schwäche des Punktes f7 in der Eröffnungsphase.  Partie nachspielen

Beim Westf-Schachkongress 1931 in Bad Pyrmont war der Schachverein Hamm mit Schäferhoff, Schuerhoff und Landskröner vertreten. Auch beim Schachländerkampf Westfalen - Niedersachsen holten die 3 Letztgenannten aus 6 Partien 5 Punkte. In Bad Salzuflen vertraten uns Schäferhoff, in Bochum Schuerhoff. Hervorzuheben ist auch noch unser Praktiker Herbert Neumann, der eine Klasse für sich war und mehrere Jahre die Stadtmeisterschaft errang, dann aber nach Hagen verzog. Anläßlich unseres Jubiläumsturniers 1931 zeigte Schäferhoff seine Spielstärke, wie es in der Zeitschrift des Westfalenschach vom 01.10.1931 und 01.11.1931 ver­merkt steht. So blühte der Verein weiter.

Man fuhr im Jahre 1936 mit 17 Mitgliedern zur Schacholympiade nach München. Es war ein Erlebnis von ganz besonderer Bedeutung, dessen Verdienst dem damaligen Vorsitzenden Schuerhoff zu verdanken ist, der alles bis in‘s kleinste organisiert hatte, bei freier Fahrt in einem Reisebus und 20 M Zuschuß. Auch sonst wurden Kameradschaft, Gemütlichkeit und Frohsinn gepflegt. Hier wird an das oft stattfindende und von der Kasse bezahlte Abendessen erinnert.

Es kam der zweite Weltkrieg mit seinen Folgen. Die Mehrzahl der Mitglieder wurde Soldat. In dem damaligen Vereinslokal Reuter, Südstraße, fanden sich nur noch wenige Spieler ein, oft waren es nur 4 bis 8. Freude herrschte immer, wenn ein Urlauber sich einfand. Aber auch im Felde haben wir sie nicht vergessen, manches Päckchen wurde an die Front geschickt. Als die Fliegerangriffe und die Zerstörungen durch Bomben übergroße Formen annahmen, mußte der Spielbetrieb immer mehr eingestellt werden. Die besten Schachspiele, alle Schachuhren und sonstiges Material wurden durch den Schachfreund Dayda im Krankenhausbunker (Langewanneweg) sicher untergestellt. Während des Krieges stellten sich Vereinsmitglieder in den Lazaretten zur Verfügung. Mehrere Schachveranstaltungen, oft an 40 Brettern, wurden durchgeführt, und so bereiteten wir unseren Soldaten manche Freude und Ablenkung. So ging es bis zur Kapitulation im Mai 1945.

Nach der Besetzung wurden die Vereine auf Anordnung der Besatzungsmächte aufgelöst und jegliche Menschenansammlungen untersagt. Doch nicht lange, dann faßten wir den Mut, bei dem Stadtkommandanten eine Genehmigung zum Schachspielen zu beantragen. Nach wenigen Wochen wurde die Genehmigung tatsächlich erteilt. Der Schachverein war der erste nach der Kapitulation in Erscheinen getretene Sportverein. In aller Stille und Heimlichkeit hatten wir uns zu den Versammlungen zusammengefunden, da auch trotz der Genehmigung Menschenansammlungen verboten waren. Zum 1. Vorsitzenden wurde Wilhelm Schuerhoff gewählt, der mit Mut und Energie an die Arbeit ging. Durch die befohlene Räumung des Krankenhausbunkers nahmen wir unser dort untergestelltes Schachmaterial in unser Vereinslokal Reuter. Polen und Russen, die im Krieg als Hilfswillige bei uns gearbeitet haben, ließen bei ihren Plünderungszügen sämtliches Schachmaterial mitgehen. Durch die Initiative aller Schachfreunde konnte alles nach und nach wieder beschafft werden. Es kamen auch unsere Soldaten aus der Gefangenschaft wieder, teils gesund, häufig krank. Die Mitglieder Eugen Becker, Oberschelp und Stabsarzt Dr.Heinz Mohnke fielen im Krieg, letzter sogar nach der Kapitulation.

Nachdem es nun einige Jahre aufwärts ging, wurde unser Vorsitzender Wilhelm Schuerhoff durch ein tragisches Geschick 1948 von uns gerissen. Ihm zur Ehre und zum Gedächtnis wurde im Bezirk ein Gedächtnisturnier veranstaltet, in dem unser Verein schon dreimal den 1.Platz erringen konnte. Sein Nachfolger als 1.Vorsitzender wurde Dr. Feldhege. Er veranstaltete im Jahre 1949 wieder eine Simultanveranstaltung an 50 Brettern mit dem Deutschen Meister Georg Kieninger.

Zum 40jährigen Jubiläum 1951 konnten wir zu aller Freude unsern Gründer W. Mohnke begrüßen, der trotz Krankheit bis zum Schluß an unserer Feier teilnahm. Anläßlich dieses Festes fand auch im Hotel Buschkühle an 50 Brettern ein Simultanspiel mit der Deutschen Frauenschaftsmeiserin Frl. Edith Keller statt. Eines verstorbenen Mitglieds wollen wir noch gedenken. Es ist dieses Mathias Brocher, der über 25 Jahre unser Kassierer war.