Schachvereinigung Hamm
SV Hamm 1911 / SV Werries 1927









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Retrospektive

Von Zeiten und Persönlichkeiten



Als sich die Gründungsmitglieder im Herbst 1911 zusammenfanden, da wollten sie zweifellos in erster Linie ein "kulturelles" Bedürfnis für ihre Mitbürger anbieten. Doch suchte man auch schon den Kontakt zu anderen Vereinen und zu einer Organisation. Zu diesem Zweck ging man in der Tagespresse an die öffentlichkeit und machte im “Deutschen Schachkalender“ für 1912 das Ergebnis des Turniers von November - Februar publik.

"1. Mohnke 15 - 2. Gräve 11,5 -
3./4. Hallermann und Butz 10 -
5. Diehl 7,5 - 6.Hülshoff 6,5 -
7/8. Winter und Probst 5,5 -
9. Gross 4 - 10. Borchardt 2,5."


Der rührige Geschäftsführer Wilhelm Mohnke machte also schon früh auf den Schachsport aufmerksam. In Hamm blühte das Schachspiel in der Öffentlichkeit. Renneforths Schach-Kalender für 1915 meldete:

“Hamm 1911: Schachklub Bürgerhaus (mi) Vors. Zahnarzt Winter, Schriftf. OLG-Sekretär Mohnke (10 Mitgl.) - Daneben bestehen eine Klubgesellschaft unter den Akademikern, in der Schach gespielt wird sowie ein Schachkränzchen der Gymnasiasten!“

Damit ist auch das gesellschaftliche Umfeld aufgezeigt, in dem sich - wohl allgemeingültig - Schachvereine als kulturelles Angebot verstanden.

Ganz anders nach dem ersten Weltkrieg! Hier bemühte sich Mohnke - wiederum als Geschäftsführer unter dem Vorsitz von Studienrat Dr. Schöhl im Jahre 1922 um die Wiederbelebung des “Westfäli­schen Schachbundes“. Nach dem (22.) vorläufigen Kongreß in Bad Oeynhausen gelang am 22.4.1923 in Bielefeld die Neugründung des Westf. Schachbundes. Hier fungierte Mohnke schon als Beisitzer und sorgte auch dafür, daß auf dem ersten Turnier in Herford (16.-18.6.23) Spieler aus Hamm vertreten waren. Im September 1923 holte er gar die Bundesversammlung zur Genehmigung der Satzung nach Hamm. Er veranstaltete begleitend dazu ein Tombolaturnier.

Im nächsten Jahre leitet er in Bad Oeynhausen das Meisterturnier des Westf. Schachbundes und wieder ein Jahr später, 1925, ist er Vorsitzender des Vereins und hat sowohl in der “bürgerlichen“ Zeitung als auch in der Arbeiterzeitung “Der Hammer“ eine Schachecke eingerichtet. Da er das Schachspiel - von Sport redete damals noch niemand - als Kulturfaktor für alle Klassen ansieht, wird er im “Arbeiter-Schach-Kalender (1926)“ als “tendenziös“ (wohl im Sinne von richtungsweisend) dargestellt, denn die Arteiter-Schachbünde ringen um gesellschaftliche Anerkennung unter dem Stichwort “Klassenkampfgedanke“. 1927 wird Wilhelm Mohnke Geschäftsführer des Westf. Schachbundes und gibt 1928 den Vereinsvorsitz an H. Reininghaus ab. Er selbst wird zum Ehrenpräsidenten gewählt und hat zusammen mit Reining­haus in 6 Tageszeitungen von der “Beckumer Zeitung“ bis zum “Sauerländer Volksfreund“ Schachspalten etabliert.

Keine Frage, daß in dieser Zeit bis zum 2. Weltkrieg Hamm als Schachkreis von Männern des SV 1911 wie Reininghaus, Lösch und Schuerhoff als Kreisleiter und Spielleiter gelenkt wurde, dies auch nach 1933 und dem Ende der Arbeiterschachvereine. Nun aber war in den KdF-Schachgruppen ein Rivale entstanden, dessen man sich nur mit Mühe erwehren konnte. Nach der Einberufung des Bundesvorsitzenden Kurt Jahn (Dortmund) leitete Wilhelm Mohnke nun in dieser Eigenschaft die Geschicke des Westfälischen Schachbundes bis in die Kriegsjahre und dem Erlöschen des Spielbetriebes. In Hamm wurden, so laut Standortbefehl vom 13.1.43, für Wehr­machtsangehörige die freitäglichen Schachabende in der Klosterklause angeboten. Mit Ende des Krieges ging dieser unermüdliche Organisator des Hammer Schachlebens, der darüber hinaus im Westfälischen Schachbund noch bis 1944 (in Weidenau) die Meisterschaften dieses Bundes organisierte, unserem Verein verloren durch seinen Umzug nach Bad Oeynhausen. 1962 verstarb Wilhelm Mohnke in Bad Oeynhausen.

"Das Schach hält seine Meister in eigenen Banden, Fesseln; auf vielerlei Weise formt es ihren Geist, so daß die innere Freiheit selbst des Stärksten beein­flußt wird."

Einstein


Schon beizeiten hatte Mohnke im Verein Mitarbeiter um sich geschart, die auch bereit waren, Organisationsarbeit zu leisten. So taucht auch erstmalig der Name Wilhelm Schuerhoff als Kreisspielleiter auf. Durch seine Spielstärke in Einzel- und Mannschafts­kämpfen erwarb er sich schon damals Vertrauen und uneingeschränkte Anerkennung. Seinem Organisationstalent war es zu verdanken, daß der Verein im Jahre 1936 sogar eine Reise zur Schacholympiade 1936 in München unternahm. Als Kriegsteilnehmer hatte er das Glück, dem Verein schon bei der Zulassung durch die britische Standortkommandantur am 3.8.45 zur Verfügung zu stehen. Er übernahm für das erste Jahr die Vereinsleitung von Hermann Breuckelmann, bemühte sich um die ersten Kontakte zu anderen Vereinen, war Ansprechpartner des von der Militärregierung für den Regierungsbezirk Arnsberg als “Schachbeauftragten“ eingesetzten Hermann Meyer (Siegen), stellte Verbindungen her zur Wiederaufnahme des Spielbetriebes in dem von der Militärregierung zugestandenen Rahmens (Reg.Bez.) und lehnte trotz Drängens von allen Seiten Funktionen im Reg.Bez. und Schachkreis Hamm aus beruflichen Gründen ab.

Trotzdem war er für alle Seiten unentbehrlich, sei es in der Frage des Anschlusses an Zentralsportvereine, sei es in der regionalen Angliederung im Jahre 1947 an Südwestfalen oder an das Industriegebiet. Kein Wunder, daß der Verein Ende 1946 bereits wieder 51 Mitglieder zahlte. 1946 übernimmt Wilhelm Schuerhoff wieder das für ihn maßge­schneiderte Amt des Geschäftsführers und überlaßt den Vorsitz Dr. Theodor Feldhege. Schade, daß dieser allseits anerkannte Ratgeber in Organisations-, Geschäfts-, Mannschafts- und Turnierfragen am 12.6.1948 durch seinen Unfall, so früh dem Verein verlorenging. Mit den durch die Währungsreform veränderten Gegebenheiten finanzieller und verkehrstechnischer Art mußte Dr. Feldhege gleichzeitig einen neuen Organisator suchen, den er dann in Heinz Rissmann fand. Der Nähe dieses Geschäftsführers zum Film­club und zur Werbung im Verkehrsverein dankte der Verein das Wiederaufleben der Verbindungen im ehemaligen Schachkreis Hamm in Form des Vierstädtekampfes Hamm - Soest - Menden - Neheim. Die Stiftungs- und Karnevalsfeste des Schachvereins Hamm 1911 entsprachen der Zeit und gaben dem Verein gesellschaftliches Gewicht. Aber auch hier riß der Tod wieder eine schmerzliche Lücke: Heinz Rissmann verstarb am 20.11.1956, nachdem er seit der Erkrankung Dr. Feldheges im Jahre 1952 den Vorsitz des Vereins übernommen hatte. Inzwischen hatte Heinrich Boes den Spielbetrieb übernommen, sah sich als Bezirksspielleiter im Besitz aller Informationen und nutzte dies, um jede Woche in der Presse präsent zu sein. Erfolge blieben so mit einer ständig sich verjüngenden Mann­schaft nicht aus. Die wachsende Mobilität ließ überbezirkliche Wettkämpfe näherrücken und damit neue Kräftevergleiche und Leistungsorientierung steigen. Schach war unmerklich zum Leistungssport geworden. Da war es an der Zeit, daß neben den Mannschaftskämpfen mit den Aufstiegsklassen auch die indivi­duelle Leistungsmessung ein objektives und allgemeinvergleichbares Maß erhalten mußte. Die Versammlung hatte sich nach dem Tode von Heinz Rissmann einen jungen Vorsitzenden gewählt, wohl, damit man nicht so oft einen neuen Vorsitzenden suchen mußte. Paul Vierbuchen trat im Januar 1957 dieses Amt an. Er wurde schon im nächsten Jahr durch Heinrich Boes auch in den Bezirksvorstand eingeführt, um dort als 2. Vorsitzender das Ingo- System für den Schachbezirk Hamm aufzubauen. Der direkte Leistungsvergleich aller Schach­spieler war durch die Auswertung der Mannschaftskämpfe möglich geworden. Schach war Sport!

Nun rückte das 50jährige Vereinsjubiläum näher. Die junge Mann­schaft reihte zwar Blitzerfolg an Blitzerfolg, doch in den Mannschaftskämpfen hatte man den möglichen Aufstieg in die Verbandsliga in den Stichkämpfen verpaßt. Mut zu öffentlich wirksamen Veranstaltungen hatte man nach einer Simultanveranstaltung von Dr. Tröger gefaßt (1960) und so machte sich Heinrich Boes auf, um im Jubiläumsjahr eine besondere Attraktion zu bieten. Es gelang ihm 1961 die beiden sowjetischen Großmeister Efim Geller und Viktor Kortschnoj, schon damals ein bekannter ehrgeiziger junger Schachmeister, zu einer glänzend gelungenen Veranstaltung ins Kurhaus zu holen.

Auch die Reisen zu Turnieren in Lüttich und Tienen waren sein Werk. Zwei Jahre später schaffte die 1. Mannschaft erstmalig den Aufstieg in die damals höchste Klasse des Industriegebietes, die Verbandsliga. Vierbuchen, der seit 1959 auch als Bezirksvor­sitzender im Amt ist, legte den Vereinvorsitz nach 17 Jahren in die Hände von Klaus Flehmig, der die Jugendarbeit neu ent­fachte, sich mit dem reisefreudigen Hans Schwertel in der Vereinsleitung ablöste und aus beruflichen Gründen 9 Jahre später (1983) dem jetzigen Vorsitzenden Bernd Kersebaum Platz machte. Dieser führt auch im Jubiläumsjahr mit Spielleiter Rolf Bachmann und dem langjährigen Schriftführer Rolf Moldzio sowie dem jahrzehntelangen Kassenführer Werner Bölling den Verein.